Coaching – ab jetzt nur noch online?

Coaching – ab jetzt nur noch online?

Präsenz-Coaching ist derzeit wegen der Corona-Krise nur eingeschränkt möglich. So werden immer mehr Coaching-Sessions primär online durchgeführt. Nico Küßner, Trainer und Coach bei Assure Consulting, gibt in diesem Blogartikel einen persönlichen Einblick in seine Coaching-Erfahrung der letzten Monate und verrät, welche Faktoren für den Erfolg von Online-Coachings ausschlaggebend sind.

Hürden beim Online-Coaching nehmen

Im März dieses Jahres stand ich – wie alle anderen auch – vor der Wahl: Führe ich meine Coachings online durch oder verschiebe ich sie auf unbestimmte Zeit?

Online-Coachings habe ich bereits vor Corona durchgeführt. Daher war die Umstellung für mich relativ leicht und ich habe mich über die letzten Monate daran gewöhnt, ausschließlich online zu coachen. Auch meine Klienten wussten schnell die Vorteile der Online-Sessions zu schätzen. Es gab zeitweise auch keine Alternative. Es drängt sich die Frage auf: Ist es das jetzt gewesen mit dem Präsenz-Coaching? 

Die Vorteile von Online-Coaching liegen auf der Hand:

•    Größere Flexibilität, weil die Anreise entfällt. Manchmal kann man sogar spontan ein Coaching „einschieben“.
•    Der zeitliche, organisatorische und finanzielle Aufwand auf beiden Seiten ist erheblich geringer als beim Präsenz-Coaching.
•    Coaching quer durchs Land und über Landesgrenzen hinweg ist möglich: morgens Berlin, mittags Frankfurt, abends New York.

Die technischen Voraussetzungen sind durch die allgegenwärtigen Videokonferenzen in der Regel mittlerweile überall gegeben und etwaige Berührungsängste wurden in den letzten Monaten Stück für Stück abgebaut. Der Umgang mit der Technik ist Routine geworden. Was sich zusätzlich zur Standardausstattung mit Kamera und Mikrofon als nützlich erwiesen hat, ist eine Dokumentenkamera für den Coach. Ich kann sie auf ein Blatt Papier auf meinem Schreibtisch richten und das Bild live im Video-Call teilen. So kann der Coachee in Echtzeit Skizzen und Notizen entstehen sehen, für die sonst zum Beispiel ein Flip Chart benutzt würde. Alternativ gibt es leistungsfähige Zeichenprogramme für das Tablet (zum Beispiel Procreate oder Paper 53), mit denen derselbe Effekt erzielet werden kann – vorausgesetzt ein Tablet mit Stift ist vorhanden.
 

Online-Coaching-Erfolg dank guter Vorbereitung

Für ein erfolgreiches Online-Coaching braucht es natürlich noch mehr: Sowohl der Coach als auch der Coachingnehmer brauchen eine ruhige, angenehme Umgebung und Privatsphäre. Wenn der Coachee zu mir ins Büro kommt, sorge ich dafür, dass beides gegeben ist. Bei der Online-Variante weise ich in der Einladung und noch mal zu Beginn des Gesprächs darauf hin und erfrage, ob mein Klient alles hat, was er braucht (Getränk, ungestörte Umgebung, usw.).
Idealerweise kennen sich Coach und Coachingnehmer bereits persönlich, bevor sie ins erste Online-Coaching gehen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass es auch funktioniert, wenn man sich „nur“ online kennenlernt. Dann sollte man sich allerdings genau dafür die Zeit nehmen: sich kennen zu lernen, damit eine Beziehung und das notwendige Vertrauen aufgebaut werden können.

 

Was online verloren geht

Und hier liegt meiner Meinung nach tatsächlich die Schwäche von Online-Coaching. Zwar ist der visuelle Kanal grundsätzlich vorhanden, aber schon der Bildausschnitt schränkt die Wahrnehmung ein. Wir sehen nur den Kopf und wenn es gut läuft noch einen Teil des Oberkörpers unseres Gegenübers. Die Wahrnehmung von Stimmungen und letztlich von Resonanz ist online schwieriger. Sie werden von Bildschirm zu Bildschirm nur unzureichend übertragen, selbst bei guter Bild- und Tonqualität. Es erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit, Veränderungen in der Mimik oder Körpersprache zu bemerken. Fehlende Informationen müssen vom Gehirn errechnet werden. So entsteht auf beiden Seiten ein höherer Aufwand durch das Nachfragen und Klären von Interpretationen. Das alles kostet Energie – sowohl beim Coachee als auch beim Coach.

Nicht zuletzt ist die methodische Vielfalt, mit der ich als Coach arbeiten kann, eingeschränkt. Das Haptische, das Erlebbare fehlt: zum Beispiel beim Abschreiten einer Zeitleiste, das Bewegen im Raum für einen Perspektivwechsel oder bei einer systemischen Aufstellung. Natürlich kann ich als Coach auch diese Übungen am Computer zeichnerisch simulieren. Sie entfalten dann aber eher einen kognitiven Effekt, als den gewünschten emotionalen, weil erlebten Effekt.

 

Online oder Präsenz – oder beides?

Online-Coaching ist eine tolle Möglichkeit, die ich nicht missen möchte. Es führt zum Erfolg, wenn ich die technischen Umstände im Griff habe und mein Methodenspektrum entsprechend ausrichte.

Und hat Präsenz-Coaching weiterhin eine Daseinsberechtigung? Auf jeden Fall. Gerade die Corona-Krise hat uns spüren lassen, wie sehr wir Menschen den persönlichen Kontakt brauchen. Im Coaching wollen wir den Menschen emotional erreichen. Der Coachee braucht das Gefühl, dass die Chemie mit dem Coach stimmt. Das alles funktioniert im selben Raum noch ein bisschen besser als online.

 

Nico Küßner
Trainer, Coach & Leiter Personalentwicklung
Assure Consulting

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